Gastrosophie

Gastrosophie, Gastrosoph und erfülltes Leben

 

Gastrosophie – was ist das?

  Der Begriff ›Gastrosophie‹ erscheint erstmals in einer Schrift von William Maginn (1794-1842) aus dem Jahre 1824. Bei Maginn erledigen die Köche und Kellner eines Kaffee-Hauses ihre gastrosophischen Arbeiten« (»works of gastrosophy«) mit der »Sorglosigkeit erhabener Philosophie«. Gastrosophie bezeichnet geistvolle Formen des Umgangs mit Nahrung. Die materialen Dreh- und Angelpunkte der Gastrosophie sind die Geschmacks- und Verdauungsorgane. Die etymologische Herkunft der Gastrosophie, aus gastér (›γαστήρ‹), d.h. Bauch, Magen, Sitz der Esslust, und sóphos (›σóφos‹), d.h. der Weise, der Mann des Geschmacks, legt das nahe. Die Schriften der "klassischen" Gastrosophen unterstreichen den Facettenreichtum der mit den Praktiken menschlicher Ernährung einhergehenden Freuden.  

Wer waren die "klassischen" Gastrosophen?

Der wohl wichtigste Vertreter der "klassischen" Gastrosophie war der Franzose Jean Anthelme Brillat-Savarin (1755-1826). Seine Physiologie des Geschmacks unterstreicht die Bedeutung der Ernährung für körperliche und geistige Arbeit. Feinschmeckerei sei eine unbedingte Unterwerfung unter die Befehle des Schöpfers. Der habe uns anbefohlen, zu essen, um zu leben, lade uns zum Essen durch den Appetit ein, halte uns durch Geschmack in Erfüllung unserer Pflicht an und belohne uns für diese Pflichterfüllung durch das Vergnügen. Wichtige Beiträge finden sich auch bei Charles Fourier (1772-1837) und seiner Idee einer »ausgeglichenen Gourmandise zur Befriedigung von Geschmack, Imagination und Magen«, in den Ausführungen zum Geist der Kochkunst von Carl F. L. Felix von Rumohr (1785-1843) und zu magenfreundlichen Tafelfreuden von Friedrich C. E. Baron von Vaerst (1792-1855).  

Erfülltes Leben

Die tiefere Bedeutung der Lust am Essen für unsere Lebensfreude entspringt dem Bauch. Dafür spricht die Einsicht, das gelingendes Leben geht mit Fülle einhergeht, Leere aber mit Wertlosigkeit. In diesem Sinne starb Abraham, der Vater der vielen Völker »erfüllt« bzw. »lebenssatt« (1.Mose 25:8). Und bei Aristoteles erscheint der sich füllende Magen als Urbild von Lust und eines sich vollendenden Lebens. Ein Leben ist aber nicht unbedingt schon gelungen, wenn wir uns den Bauch mit allem möglichen vollstopft haben. Das unterstreicht die anhaltendende Diskussion um die pythagoreische Abneigung gegen Bohnen und andere Diätregeln. Aber sind nicht alle Kochkünste im Grunde relativ und überflüssig? Laut Diogenes steckt im Brot ohnehin Fleisch und Gemüse im Brot. Ist es nicht ganz egal was wir essen, solange wir überhaupt etwas essen? Dem kulinarischen anything goes sind Grenzen gesetzt. So soll Diogenes sein Leben infolge einer Vergiftung durch rohen Tintenfisch verloren haben.  

Gastrosophie heute

  Der Weg von antiken Erklärungen zur Ernährung des Menschen hin zu aktuellen Überlegungen, zu den Ursachen und Folgen von Dioxin in Hühnereiern, Mineralöl im Olivenöl oder zu den Auswirkungen des Rinderwahnsinns BSE auf Speisegewohnheiten, ist nicht weit. Umfassende Gedanken zur Bedeutung von Speise für das gute oder richtige Leben bleiben aktuell. Nicht von ungefähr bleibt Gastrosophie ein akademisches Anliegen (http://gastrosophie.at/). Das Lebensmittel als Mittel zum Leben, von der Erstellung und Erzeugung über die Verfeinerung bis hin zum Teller, der gepflegte Verzehr in feiner Gesellschaft zum Wohle eines gesunden Körpers. Eine echte Win-Win Situation für alle an diesem Prozess Beteiligten. „Magengefühl“ und Lebensstil, Lebensideal – glückliches Leben anstreben mit gesunden Nahrungsmitteln, eben Lebensmitteln, Mittel zum Leben und der bewusste Genuss beim Essen. Die „Weisheit des Magens“ verbunden mit der „Weisheit des Gehirns“ – eine gelungene Verbindung von Gefühl und Verstand. Unser Motto lautet also: Gastrosophie leben!
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Gastrosophie und Philosophie

  Auch die abendländischen Philosophen haben sich intensiv mit den Fragen der Verdauung beschäftigt. So entstanden diverse Wortkopplungen aus dem Bereich der Verdauung mit Lebensempfehlungen.
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